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01.02.2012 11:12
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Schweizer Messer-Produzent schlägt Zelte in Solingen auf

Von Fred Lothar Melchior

„Für uns ist das ein Meilenstein“, sagt Peter Hug, Chief Executive Officer der Wenger Group: Seit Jahresanfang hat das Schweizer Unternehmen eine eigene Vertriebsgesellschaft in Solingen. Die Wenger Deutschland GmbH siedelte sich auf dem Firmengelände von C. Jul. Herbertz an der Mangenberger Straße an. Herbertz verkauft Wenger-Produkte schon seit 1970. Am bekanntesten ist sicher das Schweizer Armeemesser.

Mit dem Attentat auf die Zwillingstürme in New York begann aber eine neue Zeitrechnung. Wenger verlor ein Drittel seines Umsatzes, weil Messer in Flugzeugen nicht mehr erlaubt waren. 2005 wurde das Unternehmen von seinem Konkurrenten Victorinox übernommen, eine neue Strategie festgelegt.

„Wir wollen eine aktive Outdoor-Marke werden“, erläutert Hug. Der druckfrische 116 Seiten starke Wenger-Deutschland-Gesamtkatalog führt neben Taschen- und Küchenmessern sowie Uhren auch Schlaf- und Rucksäcke sowie Zelte auf. Außerdem gehören Feuerzeuge, Trinkflaschen, Brillen und Multifunktionswerkzeuge zum Sortiment. „Die Campingprodukte konnten Sie bisher in Deutschland nicht kaufen“, beschreibt Geschäftsführer Hartmut Rahn das Bestreben, eine komplette Kollektion anzubieten.

In Solingen angesiedelt wegen der „funktionierenden Infrastruktur“

Gestern fand die Auftaktveranstaltung der Vertriebsorganisation statt. Wenger Deutschland beschäftigt sechs Mitarbeiter, davon vier in Solingen. „Hier gibt es eine funktionierende Infrastruktur“, lobt CEO Peter Hug. „Hier finden wir Leute, die Erfahrung haben mit dem Vertrieb von Messern.“ Die Joint-Venture-Vereinbarung sei „sicher ein Pilotprojekt“; Wenger liefert in 150 Länder. Von der Mangenberger Straße aus sollen aber zunächst nur die sechs Vertriebsgebiete in Deutschland gesteuert werden. Hug: „Ich glaube nicht an ein paneuropäisches Modell.“

Herbertz-Geschäftsführer Ullrich Hartkopf erinnert an die lange Verbundenheit der beiden Firmen. „Als die Schilder aufgestellt wurden, hat mich das unheimlich mit Stolz erfüllt.“ Hug gibt das Kompliment zurück: „Für uns ist das ein absoluter Glücksfall.“ Hartkopf, der das 50-Mitarbeiter-Unternehmen C. Jul. Herbertz in fünfter Generation führt: „Wir gehen davon aus, dass eins und eins mehr als zwei macht. Wir werden auch als Herbertz den Vertrieb mitgestalten.“ Vom rund 900 Euro teuren „Giant Knife“ mit 87 Werkzeugen und 141 Funktionen etwa verkaufe man jedes Jahr fast 100 Stück an Sammler. Es ist etwas unhandlich, gibt Hug lächelnd zu: „Deshalb haben wir auch Rucksäcke entwickelt.“