OHLIGS Der Tod des 14-jährigen Schülers berührt nicht nur seine Mitschüler. Am Donnerstag erfasste eine 29-Jährige mit ihrem Opel den Jungen, der bei Rot am Rennpatt Richtung Haltestelle lief.
Von Uli Preuss
Am Tag seines Todes hatte Tobias 526 Facebook-Freunde. Das sagt viel aus über einen 14-Jährigen: „Tobi“, wie ihn viele nannten, war ein echt netter Kerl. Der Junge war auch bei seinen Mitschülern sehr beliebt, und die Betroffenheit und Trauer an der Friedrich-Albert-Lange-Gesamtschule (Fals) am Tag danach sitzt sehr tief.
Tobias’ Klasse war am Morgen auf einem Waldspaziergang
„Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, dass er nicht mehr zu uns kommt“, sagt Peter Wirtz. „Tobi“, bestätigt der Schulleiter, war ein sehr beliebter, unauffälliger Schüler. Einer, der Fußballer Özil und Handballer Hens mochte, Bob Marley und Adele hörte.
Fest steht bisher, dass am Donnerstag eine 29-Jährige mit ihrem Opel den Jungen erfasste, der bei Rot am Rennpatt Richtung Haltestelle lief und kurz vor dem Aufprall von einem links abbiegenden Wagen verdeckt war.
Am Morgen nach seinem Tod wird der Stundenplan für die mehr als 1400 Schüler zur Nebensache. „Jeder hier hat Räume zu trauern, aber den Unterricht werden wir nicht verkürzen“, sagt Wirtz. In Klassenzimmern und in der schuleigenen Mediathek haben die Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Trauer mit Bildern und Einträgen in Kondolenzbüchern zu zeigen.
Tobias’ Tod – ihn müssen die Mitschüler erst einmal verarbeiten, müssen den Umgang mit Tod und Trauer lernen. Das tun sie zusammen mit Psychologen des Schulpsychologischen Dienstes, die gestern Gespräche anboten. Tobias’ Klasse war an diesem Morgen auf einem Waldspaziergang – von Lehrern und Psychologen begleitet.
An der Schule müssen die Kinder zum zweiten Mal in zwei Monaten betreut werden. Erst Ende November wurden etliche Schüler Zeugen des tödlichen Verkehrsunfalls der Rentnerin Hannelore B. Schon damals gingen Lehrer und Schüler der beteiligten Klasse 5e an die Unfallstelle, um zu verarbeiten, was die Kinder da gesehen hatten.
Das Verkehrsdezernat der Polizei ermittelte gestern fieberhaft. Spezialkameras wurden nach Ohligs an die Unfallstelle geholt. Das Verfahren, zu dem 3D-Laserscanner und Messkameras gehören, setzt die Polizei zur genauen Vermessung bei schweren Unfällen ein. Sie erhofft sich davon weitere Erkenntnisse über die Umstände des Unfalls. Dazu musste die Unfallstelle erneut gesperrt werden, Staus entstanden für kurze Zeit.
Betroffenheit auch bei Ralf Wentland und Michael Bartsch von der Verkehrsprävention, die seit Januar für den Opferschutz bei Unfällen zuständig sind. Sie boten ebenfalls Hilfe in der „Fals“ an. Beide Beamten berichteten aus eigener Erfahrung, dass wenige Erwachsene Vorbild für Kinder im Straßenverkehr seien. Dass Tobias bei Rot ging, kann auch damit zu tun haben, dass es um ihn herum täglich viele tun.
Seine Mitschüler trauern in Facebook. Sie schreiben: „Bitte, Tobi, komm’ zurück!“