OHLIGS Der Vertragsentwurf lasse dem Investor freie Hand, warnen Kritiker. Von den anfangs formulierten Zielen bleibe kaum etwas übrig.
Von Thomas Kraft
So nicht! Der städtebauliche Vertrag für das O-Quartier übertrifft aus Sicht kritischer Beobachter die schlimmsten Befürchtungen. „Das ist ein Volldesaster“, stellt Dr. Jörg Wacker nach intensiver Lektüre der Vorgaben für das geplante Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Olbo-Gelände fest. „Wenn das so beschlossen wird, erhält der Investor maximale Freiheit und kann machen, was er will.“ Dann seien die Ergebnisse der Werkstattgespräche Makulatur. „Statt größtmögliche Sicherheit dafür zu schaffen, dass in Ohligs etwas Besonderes entsteht, laufen wir dann Gefahr, ein x-beliebiges Center zu bekommen, das es in Deutschland so hundertfach gibt. Eine Riesenenttäuschung“, sagt Wacker.
Der Rechtsanwalt gehört zu einer Initiative engagierter Ohligser, die das Projekt von Beginn an mit scharfem Blick begleitet haben. Wacker, Martin Stanscheit und Michael Morsbach erwarben sich den Ruf eines unbequemen Kritiker-Trios – das sich inzwischen aber viel Gehör verschafft hat und zunehmend mit seinen Einwänden überzeugt. Es steht die Gründung eines Aktionsbündnisses für Ohligs bevor, dem Vertreter der Werbegemeinschaft (OWG) und des Grundeigentümervereins beitreten wollen.
Erst vergangene Woche haben sie beim Besuch im Tageblatt-Haus ihre Hoffnung formuliert, mit einem „richtig geplanten O-Quartier“ den dringend nötigen Erneuerungsschub für den gesamten Stadtteil auszulösen. Das war vor Freitag, vor dem Tag, als Wacker Einsicht in den städtebaulichen Vertrag nahm. Am Montag beraten die Bezirksvertretung und der Planungsausschuss über die Vorlage in einer Sondersitzung. „Wir werden Rederecht beantragen“, sagt Wacker. Das sei die letzte Chance, der Politik die Augen zu öffnen und die Gefahren abzuwenden.
Geplanter Angebotsmix ernsthaft in Gefahr
Zwei Hauptrisiken macht Wacker in dem Entwurf aus: „Er stellt nicht sicher, dass das komplette Projekt in einem fertiggestellt wird. Es bleibt die Möglichkeit, zunächst nur einen Lebensmitteldiscounter und einen Vollsortimenter zu errichten.“ Dies streite das Rathaus zwar vehement ab. Aber eine vertragliche Klausel sei die sicherere Variante, die den Investor festnagele. „Bisher fehlt jede Verbindlichkeit.“
Das gelte auch für das Angebot und die angestrebten Ladenflächen. Ursprünglich sollten es sechs großflächige Geschäfte mit mehr als 800 m² sein. Das sei aber nun aufgeweicht. Den Mix aus Textil, Sport und Elektronik sieht Wacker gefährdet. Sogar ein Baumarkt sei nun möglich. „Das schießt den Vogel ab.“ Zudem drohe der Abzug kleinerer Läden aus der Fußgängerzone. Das aber müsse verhindert werden. Der Verzicht auf die Kletterwand und die unzureichende Öffnung zur Düsseldorfer Straße seien weitere empfindliche Schwachpunkte.
Bis Montag wollen Wacker & Co. die Politiker wachrütteln, um einen Aufschub des Beschlusses zu erwirken. „Diesen Vertrag müssen wir unbedingt verhindern.“ » Guten Morgen, S. 15