DAS PHANTOM DER OPER Faszinierende Neuinszenierung zum 100. Geburtstageiner fesselnden Geschichte.
Von Jutta Schreiber-Lenz
Wer das Musical von Andrew Lloyd Webber kennt, hat möglicherweise einen Moment lang Adaptionsschwierigkeiten. Neue Musik und neue Texte des Musik-Produzententeams Köthe/Heck verpacken die nun hundertjährige Kriminalgeschichte von Gaston Leroux neu.
Enorme Spiel-Lust der Darsteller begeisterte
Perfekte Licht- und Bühnentechnik, durchgestylte Kulissen, liebevoll erschaffene Kostüme, die enorme Spiel-Lust der Darsteller und die großartigen Gesangs-Stimmen helfen jedoch schnell über eventuelle Anfangsirritation hinweg. Die weltweit bekannte Sopranistin Deborah Sasson beweist mit diesem „Phantom“ eindrucksvoll, dass sie neben ihrer musikalischen Kompetenz und der kraftvollen ausdrucksstarken Stimme auch konzeptionell-gestalterische Fähigkeiten hat.
Näher an der literarischen Vorlage
Musical-, Oper- und Operettenelemente wachsen in dieser Neuversion der Geschichte aufs Schönste zusammen. Ein Unbekannter, der in der Pariser Oper sein Unwesen treibt, sorgt mit seiner entflammten Leidenschaft für die Sängerin Christine zugleich für ein echtes Liebesdrama. Anders als Lloyd-Webber hält sich die neue Fassung stärker an die literarische Vorlage, beispielsweise gibt es hier die Figur des „Persers“, der eine mysteriöse Verbindung zum Phantom Erik unterhält.
Auch der inneren Zerrissenheit von Christine geht die Neuauflage stärker nach, indem sie den beiden widersprüchlichen Seelen in Erik deutlicheren Raum gibt („Ich will Rache“ und „Christine, ich wollte dich lieben“ unmittelbar hintereinander). Bild-Überblendungen auf verschiedenen Leinwand-Ebenen erzeugten eine verblüffende 3D- Optik, die der immer wiederkehrenden leicht schauerlichen Spannung des Plots hervorragend zuarbeitete.
Phantom taucht im Wandspiegel auf
Genial beispielsweise das überraschende Auftauchen des Phantoms in einem Wandspiegel von Christines Garderobe. Erfrischend ist auch die Leichtigkeit der Nebenfiguren, die mit ihren eingestreuten Gags die Handlung wohltuend auflockerten. Zur Belohnung gab es dementsprechend auch Standing Ovations in einem leider nicht ganz gefüllten Pina-Bausch-Saal.