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02.09.2011 11:37
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Wipperkotten: Schleifen wie einst

Von Martine Krause

Dicht beieinander standen sie früher. Mit Wasserrädern wurden die Schleifsteine angetrieben, mehrere hundert Jahre lang. Selbständige „Schlieper“

WISSENSWERTES

Öffnungszeiten Bis einschließlich Oktober jeden ersten und dritten Sonntag im Monat zwischen 14 und 16 Uhr. Nach Voranmeldung ist der Besuch auch unter der Woche möglich P 2 47 39 58.

Eintritt 1 Euro pro Person. Weitere Spenden sind willkommen.

Film 1961 wurde im Kotten für die Ingenieursausbildung ein Film über die vielfältigen Arbeiten der Schleifer gedreht. Er ist vor Ort und auf der Internetseite des Fördervereins zu sehen: www.wipperkotten.com

Kottenfest Am Sonntag wird mit herzhaften Speisen und Getränken das Kottenfest gefeiert. Gegen Spenden können Scheren und Messer zum Schleifen mitgebracht werden. Erstmals können Kinder unter Anleitung ein Messer reiden.

Fahrradtour Am 15. September können die Spuren der Solinger Schleifer per Rad erkundet werden. Startpunkt der etwa zweieinhalb Stunden langen Tour ist der Wipperkotten. Die Kosten: 12/10 Euro. Anmeldung beim Historischen Zentrum Wuppertal unter P (02 02) 5 63 43 75.

Schleif-Vorführung Zum Saisonabschluss findet am 23. Oktober von 12 bis 17 Uhr „Schleifen am nassen Stein“ statt.

schärften Klingen aller Art. Der Wipperkotten ist der letzte im Original erhaltene Schleiferkotten in Solingen. Er liegt da, wo der Weinsberger Bach, dessen Unterlauf (früher „Wipper“ genannt), in die Wupper mündet.

SERIE KLEINE MUSEEN
IN SOLINGEN

„Es ist faszinierend, im Wipperkotten zu arbeiten, die 400 Jahre alte Technik zu warten und fürs Schleifen zu nutzen. Das ist ein ganz tolles Gefühl“, sagt Herbert Loos (74). Seit 40 Jahren gehört er zu der langen Reihe von Schleifern, die auf den drei Etagen des Außenkottens ihrem Handwerk nachgegangen sind.

Ein Wassergraben, in dem das Wasserrad montiert ist, trennt die beiden Gebäude des Wipperkotten voneinander. Der etwas größere Innenkotten steht auf einer kleinen Insel und beherbergt seit 1954 Atelier- und Ausstellungsräume. Urgeschichtliche Schneidwerkzeuge gehören zu den Ausstellungsstücken.

Früher war der Kotten Anteilseigentum der Schleifer. Sie hatten feste Listenpreise. Wer nicht bereit war, sie zu zahlen, wurde nicht beliefert. 1952 kaufte die Stadt den Kotten auf. Bis sich 1997 der Förderverein Schleiferei Wipperkotten gründete, verfiel er trotz Pflege und Wartung der Schleifer immer mehr.

Die Jahrhunderte alte Technik
muss laufen, um sie zu erhalten

„Wasserrad, Antriebsachse und Transmissionen müssen laufen, um erhalten zu werden.“ Laut Klaus Göttling, Gründungsmitglied des Vereins, steht die Erneuerung der Südfassade des Außenkotten und des Daches an. 20 000 Euro sind veranschlagt. „Es wurde immer mit dem aktuellen Stand der Technik repariert. Deshalb herrscht hier ein Durcheinander an Stilen, Lehmausfachung neben Stahlträgern.“

Ölkännchen, Polierfett und Handwaschpaste sind Zeugen anhaltender Arbeit im Kotten. Dass er ein zugiger, feuchter und kalter Arbeitsplatz ist, weiß auch der jüngste Schleifer Ralf Jahn. Er ist 40 und Hoffnungsträger. Göttling: „Wir brauchen jemanden, der den Kotten mit neuen Ideen am Leben hält.“ Dass Jahn den optimalen Schneidwinkel von Messern mit einem Laser-Messverfahren ermittelt, passt da ins Bild. Sein Schleiferkollege Loos weiß aus Erfahrung: „Gute Qualität setzt sich durch.“