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10.12.2011 09:16
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„Ich brauche Hilfe für alles"

Von Monika Krebs

„Als Kind bin ich oft auf die Nase gefallen“, erinnert sich Stefan W. (der Name ist von der Redaktion geändert). „In der Schule und beim Spielen bin ich deshalb viel gehänselt worden. Aber es ist mir gelungen, das zu ignorieren. Ich hatte dafür bessere Noten. Ich war ein guter Schüler.“

Der Grund, weshalb Stefan W. häufig auf die Nase fiel, wurde festgestellt, als er sieben Jahre alt war. Stefan W. litt an Muskeldystrophie. Seine Muskeln wurden immer schwächer.

13 Jahre war er alt, als er beim Arzt einen Blick in seine Krankenakte tun konnte. Da stand die Diagnose Muskeldystrophie schwarz auf weiß. Stefan W. wollte sich „schlau machen“. Das Ergebnis war für ihn zunächst ein Schock: „Als ich erfahren hatte, dass meine Lebenserwartung statistisch gesehen 25 Jahre betragen würde, ist mir klar geworden, dass ich die Hälfte meines Lebens schon hinter mir hatte. Mit 13 Jahren. Da habe ich Gas gegeben.“ Heute ist Stefan W. 41 Jahre alt.

Selbstständig wollte er immer schon sein und den Kopf niemals hängen lassen. „Die Hänseleien hatten auch ihr Gutes. Sie haben mich abgehärtet.“ Deshalb hat er auch seinen Lebensmut nicht verloren, wenn zusätzlich zur Krankheit auch noch andere Schicksalsschläge kamen. Nach Abschluss der Handelsschule begann er eine Ausbildung. Die konnte er jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht beenden.

Stefan W. war 16, als er nicht mehr gehen konnte, auf einen Rollstuhl angewiesen war. Nach einer Umschulungsmaßnahme konnte er in einem Altenzentrum sozialpädagogisch arbeiten. „Mit den alten Leuten sprechen, spielen und reden, das habe ich ausgesprochen gerne gemacht.“ Aber auch damit war irgendwann Schluss. Ebenso mit seiner Ehe. Die war nach sieben Jahren zu Ende. Stefan W.: „Die Krankheit blieb nicht stehen.“

Auch sein Wunsch, selbstständig zu bleiben, ging nicht in Erfüllung. Heute ist Stefan W. auf einen Pflegedienst angewiesen: „Ich brauche Hilfe für alles, was ein Mensch macht. Das war anfangs sehr ungewohnt. Aber es bleibt mir nichts anderes übrig. Manchmal wünsche ich mir, blöd zu sein. Menschen, die sich nicht an ein besseres Leben erinnern können, leiden nicht.“

Er kann nichts vergessen. Kann auch nicht mehr Gas geben. Das einzige, was ihm geblieben ist: Er kann noch – mit Hilfe des Pflegedienstes – in einer eigenen kleinen Wohnung leben. Und seinen Computer anmachen, wann er will. Wenn er den anstellt, tut sich sein Tor zur Welt auf. Dann vergisst er sogar, sich zu erinnern.

Wenn Sie Menschen wie Stefan W. mit einer gezielten Zuwendung eine Freude an diesem Weihnachtsfest bereiten wollen, können Sie das mit einer Spende an die Kette der helfenden Hände auf das Konto 27 102 bei der Stadt-Sparkasse Solingen (BLZ 342 500 00) tun.